Boswellia Serrata

Der indische Weihrauch

Boswellia Serrata wird überwiegend im Norden des Indischen Subkontinents und der Provinz Punjab geerntet. Im altindischen Sanskrit wird er als Shallaki bezeichnet. Die ayurvedische Medizin kennt ihn als Salai Guggal (Weihrauchharz) und seine lateinische Bezeichnung ist Olibanum indicum.

Das klebrig-milchige Harz der Balsambäume, wird luftgetrocknet zum duftenden, wohltuenden Weihrauchharz – dem seit jeher heilsame Kräfte zugeschrieben werden. Das Boswellia Serrata Harz wird aus der Baumrinde gewonnen, die, wie auch die Wurzeln von Pflanzen, wichtige Substanzen gegen Feinde und Parasiten enthält.

Wie wird das Harz gewonnen?

Zur Erntezeit, die im März beginnt, wird mit Schnitten an Stamm und Ästen das erste Boswelliaharz gewonnen. Einige Wochen später erfolgt eine weitere Ernte, die ein höherwertiges Harz hervorbringt. Insbesondere sind es die späteren Ernten, die traditionell auch heilkundlich und in therapeutischer Absicht verwendet werden. Während die Harztropfen der ersten Ernte sehr klein sind, fallen sie bei den späteren Ernten deutlich größer und reiner aus und erreichen etwa einen Zentimeter mit der letzten Ernte.

Insgesamt liefert ein einziger Balsambaum etwa drei bis zehn Kilogramm Harz. Neben den Harzen enthält der Weihrauchextrakt ätherische Öle, Schleim und Proteine. Die Zusammensetzung des jeweiligen Harzes hängt vom Alter und dem Standort des Baumes ab. Mit seiner fast individuellen Komposition ändert das gewonnene Harz auch seinen Duft: Beim Räuchern der letzteren Ernten erfüllt ein intensives Aroma mit Zitronennote den Raum.

Geschichte

Boswellia Serrata ist der klassische Weihrauch der indischen Ayurvedamedizin. Dieses aus dem Salaibaum gewonnen Harz enthält Boswelliasäuren, Lupan und Tirucallen sowie ätherische Öle, wie Alpha-Thujen, Beta-Myrcen, p-Cymol und Methyleugenol.

In nahezu allen Zivilisationen und zu allen Zeiten war Weihrauchharz ein begehrtes und teures Gut. Der bei der Verbrennung des Harzes entstehende Rauch und Duft wird seit jeher für seine wohltuende Wirkung geschätzt. In Kirchen wird er noch immer eingesetzt und in der Medizin beweisen immer mehr Studien seine Heilkraft. Doch auch bei der ägyptischen Bestattung waren die Weihrauchperlen, als „Schweiß der Götter“ bezeichnet, ein wesentliches Element – insbesondere bei der Mumifizierung. Vom Orient bis zum römischen Reich wurden die Harzperlen nicht nur in Tempeln verbrannt, sondern auch den Kaisern und Statthaltern beim Einzug in eine Stadt vorangetragen: Seine reinigende Wirkung zeichnet auch heute noch den duftenden Harz aus. Und nicht zuletzt war es auch das Weihrauchharz, welches als kostbares Geschenk von den biblischen drei Weisen übergeben wurde.

Heilende Eigenschaften

Beim Umzug, zum Frühlingsanfang und in der Winterzeit wird mit dem Trockenharz das Haus ausgeräuchert. Denn neben Verehrung und Gebet ist das Weihrauchgranulat vor allem für seine reinigende Wirkung bekannt. Im Altertum war er Grundlage für wichtige Salben und bei der Wundbehandlung. Die heilende Wirkung des Weihrauchharzes zieht sich durch die Weltgeschichte und auch Hildegard von Bingen behandelte ihre Patienten mit dem getrockneten Harz. Einer der berühmtesten Ärzte und eine Legende unter den Heilern, der persische Arzt Avicenna empfahl den Serrataweihrauch zur Stärkung von Geist und Verstand.

Je nach Region und Zeitalter befallen die Menschen unterschiedliche Krankheiten. Dies erklärt auch die umfangreiche Wirkung, die dem Weihrauchharz zugeschrieben wird. In Ostafrika wurde bis zum Einsatz von Antibiotika und Kortikoiden das Harz zur Behandlung von Magenleiden, der Syphilis und Bilharziose eingesetzt. Im Ayurveda ist Boswellia serrata zur Behandlung von Rheuma, Arthritis und Ischialgie empfohlen. Neueste Studien zeigen eine entzündungshemmende Wirkung von Boswellia. Vielversprechend erscheint der Einsatz von Serrata-Harztropfen auch bei der Arthrose, rheumatoider Arthritis, als Antirheumatikum, bei Asthma und Morbus Chron. Serrata-Harz ist bei der Behandlung der Colitis Ulcerosa vergleichbar der Wirkung des Standardmedikaments Sulfasalazin.

Wenn auch das Einatmen des Harzes dem Passivrauchen vergleichbar ist, so sind die Nebenwirkungen des Weihrauchs gering. Es empfiehlt sich eine Einnahme nach den Mahlzeiten. Um jedoch eine therapeutische Wirkung zu erzielen, sind teilweise Dosierungen von 1500mg (1,5g) Boswellia Harzextrakt täglich erforderlich.

 

Quellen:
1 entzündungshemmend: Cameron, M; Chrubasik, S (May 22, 2014). „Oral herbal therapies for treating osteoarthritis“. Cochrane Summaries.

2 Colitis etc: Ammon, HP (2010). „Modulation of the immune system by B serrata extracts and boswellic acids“. Phytomedicine. 17 (11): 862–7. doi:10.1016/j.phymed.2010.03.003.

3 Keine besonderen Nebenwirkungen: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=pharm3_51_2002